Sonntag, 16. Oktober 2011

Zugfahrten nach Hause


Wir schieben den Abschied jedes Mal vor uns her und dann muss es plötzlich ganz schnell gehen. Grüße werden mitgegeben, dass leerste Zugabteil ermittelt und dann verschwinden die Gesichter in der Menge. Das eine zwischen Koffern und Reisenden im Zug, das andere in einer Masse von hetzenden, zeitarmen Menschen auf dem Weg nach Hause oder zur nächsten Bahn.
Der Zug fährt auf dem Rückweg immer sehr schnell. Häuser vieler Orte fliegen an einem vorbei. Im Zug irgendwo alte lachende Tanten, bis oben gefüllt mit Likör, Schnaps oder ähnlichem. Man hört sie mit ihren Falschen klirren, als wären es Teetassen, die schwungvoll auf Untertassen abgestellt würden. Manchmal auch Fußballfans die sich noch lauter, schwitzender, je nach Spielausgang emotionaler verhalten und ihrer Umwelt damit auf die Nerven gehen.
Verkehrte Welt.
Alle paar Sekunden klingelt oder piepst ein Handy. Ein Mann beschwert sich lautstark, aber sichtbar amüsiert über dieses Phänomen. „Das gibt’s doch gar nicht! Was ist hier nur los?“ Ja, das denke ich mir auch! Sein Lachen ist ansteckend. Bei jedem weiteren Handy dringen scheinbar radioaktive Strahlen von ihm aus, die die Reisenden in ironisches, gleichermaßen genervtes Lachen versetzen.
Dann der erste Halt. Viele steigen hier aus, kaum einer ein, Ich warte auf den Ansturm, aber es kommt keiner. Ich schaue aus dem Fenster. Der Zug fährt gerade an. Eine durchdringende Kinderstimme beschallt das Abteil. Ein kleiner Junge versucht seine Mutter zu irgendetwas zu überreden. Er schreit laut, aber was er sagt höre ich nicht. Die Nachmittagssonne lässt dir herbstlich gefärbten Blätter an den Bäumen, den Schienen entlang, schillernd leuchten. Die meisten Bäume jedoch, sind noch viel zu grün.
Der Zug hält mitten in der Natur an, fährt weiter. Stille löst sich auf, macht sich wieder breit.
Nun ist es Zeit sich umzustellen, sich auf die Ankunft –zurück- einzustellen. Zeit, die letzten Tage Revue passieren zu lassen, Zeit abzuschalten, Zeit zu lernen oder zu entspannen, Zeit die vorbeifliegende Landschaft und die Vielfalt der unterschiedlichen Leute, um einen herum, zu genießen oder sich von der Umwelt abzunabeln und Nachzudenken.
Zuhause wartet eine Menge! Dort geht es nun weiter. Vergangenheit bleibt zurück und doch nimmt man sich immer ein Stückchen mit. Ein Stückchen Glück, ein Stückchen Freude. Ein Stückchen irgendwas. Ein Moment der Veränderung – verkehrte Welt – und dann geht es vorwärts!

Danke fürs Lesen und einen guten Start in die Neue Woche wünscht euch
Nora